Gymiprüfung 2026: Warum der richtige Weg wichtiger ist als jede Prüfungsnote
Dimitar Jauch Dimitar
14.02.2026

Gymiprüfung 2026: Warum der richtige Weg wichtiger ist als jede Prüfungsnote

Lesezeit: 3 Minuten

*Am 2. März ist es wieder so weit: Tausende Kinder und Jugendliche im Kanton Zürich treten zur Aufnahmeprüfung für Lang- und Kurzgymnasium an. Der Druck ist enorm — auf die Kinder, aber auch auf ihre Familien. Ein aktueller Beitrag im Blick hat die Dynamik rund um private Vorbereitungskurse, steigende Kosten und den Selektionsdruck im Kanton Zürich beleuchtet. Unser Schulleiter Oliver Haas wurde darin zitiert — mit einer Haltung, die uns als Schule ausmacht.*

Es ist jedes Jahr dasselbe Bild: Wochen vor der Gymiprüfung steigt die Anspannung in vielen Zürcher Familien spürbar an. Intensivkurse in den Sportferien, monatelange Vorbereitungsprogramme, Nachhilfe am Wochenende — die Branche boomt, und die Angebote werden immer zahlreicher. Das hat Gründe: Im Kanton Zürich ist der Zugang zum Gymnasium besonders selektiv. Von über 4’500 Sechstklässlerinnen und Sechstklässlern, die letztes Jahr angetreten sind, hat nur gut die Hälfte bestanden. Beim Kurzgymnasium liegt die Erfolgsquote sogar noch tiefer.

Dass viele Familien nach Unterstützung suchen, ist nachvollziehbar. Die Vorbereitungskurse an den öffentlichen Schulen sind oft zu knapp bemessen, die Gruppen zu gross, und der Lehrplan deckt nicht immer das ab, was an der Prüfung verlangt wird. Kein Wunder also, dass private Anbieter diese Lücke füllen.

Druck ist kein guter Wegweiser

Doch bei all dem Engagement gerät manchmal etwas Entscheidendes aus dem Blick: die Frage, ob der eingeschlagene Weg überhaupt der richtige ist — für dieses Kind, in diesem Moment.

Der familiäre Druck, den viele Kinder erleben, ist real. Eltern wollen das Beste für ihren Nachwuchs, das ist klar. Doch wenn der Wunsch nach dem Gymnasium vor allem aus Erwartungen entsteht — sei es aus dem eigenen Umfeld, aus der Sorge um die Zukunft oder aus dem Vergleich mit anderen Familien — dann kann das Kinder in eine Richtung drängen, die ihnen nicht entspricht.

Genau das hat Oliver Haas, unser Schulleiter, im Blick-Artikel auf den Punkt gebracht: Wir beraten Familien bewusst offen und empfehlen manchmal auch ganz gezielt alternative Bildungswege. Denn das grösste Risiko besteht nicht darin, die Prüfung nicht zu schaffen. Das grösste Risiko besteht darin, dass Kinder und Jugendliche eine Ausbildung beginnen, die sie später wieder abbrechen müssen.

Ehrliche Beratung statt falscher Versprechen

Diese Haltung prägt unsere tägliche Arbeit. Wir kennen jede Schülerin und jeden Schüler persönlich — ihre Stärken, ihre Herausforderungen, ihr Potenzial. Und wir nehmen uns die Zeit, gemeinsam mit den Familien herauszufinden, welcher Weg wirklich passt.

Manchmal ist das Gymnasium genau das Richtige. Dann begleiten wir mit voller Energie dorthin. Manchmal zeigt sich aber, dass ein anderer Weg — über die Sekundarschule A, ein späteres Kurzgymnasium oder eine Berufslehre mit Berufsmaturität — viel mehr Potenzial entfaltet. Das Schweizer Bildungssystem bietet grossartige Möglichkeiten, und kaum ein anderes Land kennt so viele Anschlusswege wie die Schweiz.

Es geht um mehr als eine Prüfung

Bildung ist kein Sprint, sondern eine Reise. Und auf dieser Reise zählt nicht nur das Ziel, sondern auch, ob der Weg zum Kind passt — ob es Freude am Lernen entwickelt, Selbstvertrauen aufbaut und seine eigenen Stärken entdeckt.

Wir sind überzeugt: In jedem Kind steckt enormes Potenzial. Unsere Aufgabe ist es, dieses Potenzial zu erkennen und den passenden Rahmen dafür zu schaffen. Nicht mit Druck, sondern mit Zuversicht, individueller Begleitung und der Offenheit, auch unkonventionelle Wege zu gehen.

An alle Familien, die gerade mitten in der Prüfungsvorbereitung stecken: Wir drücken die Daumen. Und wir sind da — für ein ehrliches Gespräch, jederzeit.

Der vollständige Blick-Artikel «Lukratives Geschäft mit Gymiprüfungen» von Andreas Schmid erschien am 8. Februar 2026 auf blick.ch.